Bald verstummt die Pausenklingel

(Jülicher Zeitung vom 29.5.2019) von Eva Johanna Onkels

Bald verstummt die Pausenklingel
Die Real- und Hauptschule in Aldenhoven schließen zum Ende des Schuljahres. Schüler und Lehrer nehmen Abschied.

Wenn Schulen schließen, hinterlässt das Spuren – bei Lehrern wie auch bei Schülern. Für Schüler sind sie oft auch so etwas wie ein zweites Zuhause. In Aldenhoven schließen zum Ende dieses Schuljahres gleich zwei Schulen: die Gemeinschafshauptschule und die Käthe-Kollwitz-Realschule. Schon jetzt wirken die Gänge und Räume ungewöhnlich leer.

Für die Schülerschaft und die Lehrkräfte beider Bildungseinrichtungen ist diese Situation schwierig. Sigrid Nather, Schulleiterin der Käthe-Kollwitz-Realschule und Patricia Steinkamp-Brucker, Schulleiterin der Gemeinschaftshauptschule Aldenhoven, macht es „wütend und traurig, dass zwei gut laufende Schulen schließen müssen“, doch der Beschluss steht unabänderbar fest.

Dass die Einrichtungen auslaufen werden, ist seit sechs Jahren beschlossene Sache, doch wenn man sich vergegenwärtigt, dass aktuell an der Realschule nur fünf, an der Hauptschule sogar nur vier Lehrer fest unterrichten, wird die Schulschließung eine bedrückende Realität. Für viele Schüler und Lehrer ist es ein langer und deutlich sichtbarer Abschied, doch den Kopf in den Sand gesteckt haben sie nicht – im Gegenteil. Gemeinsam haben sie das letzte Schuljahr zu einem besonderen gemacht. „Wir haben dafür gesorgt“, erzählt Nather, „dass die Stimmung gut bleibt. Dass sich alle wohl und gebraucht fühlen.“

Mit gemeinsamen Aktionen und Fahrten, unter anderem in den Freizeitpark „Phantasialand“, haben alle Beteiligten ein schönes, erinnerungswürdiges letztes Schuljahr gestaltet, das den Abschied versüßt.

„Wir haben dafür gesorgt, dass die Stimmung gut bleibt. Dass man sich wohl fühlt.“

Sigrid Nather, Schulleiterin der Käthe-Kollwitz-Realschule

Das Ziel: Ein erfolgreicher Abschluss

Zwar haben sich die Gänge merkbar geleert, aber ganz verstummt sind die schultypischen Geräusche noch nicht. Während im Direktorenzimmer über die Schulschließung gesprochen wird, wärmen sich draußen auf dem Schulhof einige Schüler für den Tanz auf, den sie eigens für die Abschlussfeier einstudiert haben. 42 Schülerinnen und Schüler sind noch an der Realschule, 40 an der Hauptschule.

„Das wichtigste Ziel für uns war, dass die Schülerinnen und Schüler einen erfolgreichen Schulabschluss machen können“, meinen die beiden Direktorinnen. Dazu musste sichergestellt werden, dass genügend Pädagogen für den Unterricht verblieben, insbesondere Fachlehrer. Es erforderte einiges an Planung, das zu gewährleisten. Mit den fehlenden nachkommenden Klassen wurde auch das Lehrkollegium ausgedünnt. Nach und nach verließen die Lehrerkollegen die Schulen, um an anderen Orten ihre Arbeit fortzusetzen. Diejenigen, die jetzt noch übrig sind, haben erst vor ein paar Tagen erfahren, wo ihr nächster Einsatzort sein wird. Wünsche durften im Vorfeld geäußert werden. Für die Kollegen von Steinkamp-Brucker ist es gut gegangen. „Alle haben bekommen, was sie sich gewünscht haben“, sagt die Rektorin, die zehn Jahre lang an der Hauptschule unterrichtet hat und die Schule nun kommissarisch leitet. An der Realschule sei es nicht ganz so gut gelaufen, sagt Nather, hier habe es für das Personal auch einige Enttäuschen gegeben.

Es ist nicht nur der Schulalltag der sich ändert, auch die Feste werden in diesem Jahr anders verlaufen. „Früher haben die Schulabgänger für die jüngeren Klassen Abschlussstreiche organisiert“, erzählt Steinkamp-Brucker. Auch halfen die Jüngeren zum Beispiel als Kellner bei der Abschlussfeier der Abgänger. Jetzt werden die Hauptschüler den Realschülern unter die Arme greifen und umgekehrt, damit die Abschlussfeiern über die Bühne gebracht werden können. Dass man sich hilft, ist selbstverständlich. Schließlich teilen beide Schulen dasselbe Schicksal und werden zudem seit 2015 im selben Gebäude unterrichtet.

Für Nather und Steinkamp-Brucker ist die Schließung der Schulen auch aus sozialer Hinsicht nicht unproblematisch. „Für die Hauptschüler wären die sozialen Strukturen an der Hauptschule besser“, meint Steinkamp-Brucker. Die große Anzahl verschiedener Problemfelder bei manchen Hauptschülern sorge dafür, dass sich Lehrer noch deutlicher auf die Schüler einstellen müssten, sie Lehrer, Erziehungs- und Familienberater gleichzeitig sein müssten.

Die Entscheidung für eine Realschule träfen Eltern in aller Regel sehr bewusst, berichtetet Sigrid Nather: „Die Eltern wollen die Kinder nicht von Anfang an zum Gymnasium schicken.“ Dazu komme, dass sowohl die Hauptschule als auch die Realschule sehr berufsorientiert arbeite. Man zeige viele Perspektiven auf, die für die einzelnen Schüler eine Option wären.

Eine Schicksalsgemeinschaft

Eine „Schicksalsgemeinschaft“ sind die Lehrer und Schüler geworden. Denn je weniger Personen an der Schule waren, desto enger wurde die Bindung von Schüler zu Lehrer, schließlich sah man sich mehrmals am Tag. Jetzt, kurz vor dem Abschluss, wird manchen auch klar, dass sie ihre Lehrer nicht mehr so einfach wiedersehen können. Früher kamen ehemalige Schüler gerne noch einmal vorbei, besuchten Lehrer, erzählten davon, was aus ihnen geworden sei. Jetzt ist das Lehrpersonal in alle Winde verstreut, ein Wiedersehen wird schwierig.

Beide Direktorinnen bedauern, dass sie keine Gelegenheit hatten, das Gebäude an einen Nachfolger zu übergeben. Noch ist nicht geklärt, was überhaupt mit dem Ensemble passieren soll, ob die benachbarte Grundschule einzieht oder die Gesamtschule Aldenhoven-Linnich.

Wenn heute die letzten Schülerinnen und Schüler durch die Flure laufen, sollten sie einen genauen Blick auf die altvertrauten Wände werfen. In wenigen Wochen sind ihre Schulen Geschichte.